Warum RAID kein Backup ist

RAID (Redundant Array of Independent Disks) erhöht die Verfügbarkeit eines Systems, indem Daten auf mehrere Festplatten verteilt oder gespiegelt werden. Fällt eine Platte aus, kann der Betrieb je nach Level weiterlaufen oder das Array lässt sich nach Austausch der Platte wiederherstellen. Das schützt jedoch nicht vor Löschungen durch Nutzer, Ransomware, Firmware-Fehlern, Stromausfällen während eines Schreibvorgangs oder einem gleichzeitigen Ausfall mehrerer Platten. In all diesen Fällen sind auch alle gespiegelten oder verteilten Kopien der Daten betroffen. RAID ersetzt daher kein separates Backup auf einem unabhängigen Medium.

RAID-Level kurz erklärt

  • RAID 0: Reines Striping ohne Redundanz – fällt eine Platte aus, sind die Daten auf allen Platten des Verbunds verloren.
  • RAID 1: Spiegelung der Daten auf zwei Platten – eine Platte kann ausfallen, ohne dass Daten verloren gehen.
  • RAID 5: Verteilung der Daten mit Parität über mindestens drei Platten – der Ausfall einer einzelnen Platte lässt sich ausgleichen.
  • RAID 6: Wie RAID 5, jedoch mit doppelter Parität – bis zu zwei gleichzeitig ausgefallene Platten sind verkraftbar.

Bei RAID-Ausfällen NICHT selbst experimentieren – falscher Wiederaufbau (Rebuild) kann Daten endgültig zerstören. Bei mehr als einer ausgefallenen Platte oder unklarer Fehlerursache sollte ein Datenrettungslabor eingeschaltet werden.

Wann Software noch helfen kann

Recovery-Software kann bei RAID-Systemen dann eine Option sein, wenn das Array selbst intakt und funktionsfähig ist – etwa wenn versehentlich eine einzelne Datei oder ein Ordner gelöscht wurde, während alle Platten des Verbunds normal laufen. Programme wie Recoverit bieten dafür eine RAID-Unterstützung, die den Verbund virtuell rekonstruiert und darauf nach verlorenen Dateien sucht. Voraussetzung ist, dass die Hardware fehlerfrei arbeitet und keine Platte, kein Controller und keine Konfiguration des Arrays selbst betroffen ist.

Wann nur noch ein Labor hilft

Sobald mehr als eine Platte in einem redundanten Array ausgefallen ist, das Array nicht mehr erkannt wird, ein Controller-Defekt vorliegt oder die RAID-Konfiguration (z. B. nach einem fehlgeschlagenen Rebuild) durcheinandergeraten ist, kann Software die Ursache nicht mehr beheben. In solchen Fällen ist ein spezialisiertes Datenrettungslabor mit Reinraum-Umgebung und Erfahrung im Wiederaufbau von RAID-Verbünden die richtige Anlaufstelle. Jeder eigenständige Wiederherstellungsversuch, insbesondere ein erneuter Rebuild-Versuch mit falscher Plattenreihenfolge, verringert die Erfolgschancen einer professionellen Rettung erheblich.

Häufige Fragen

Bei RAID 5 verkraftet der Verbund konstruktionsbedingt nur den Ausfall einer Platte. Sind zwei Platten betroffen, reicht die Parität nicht mehr aus, um die Daten softwareseitig zu rekonstruieren. Ein Eigenversuch, etwa über einen erzwungenen Rebuild, kann die verbliebenen Daten zusätzlich beschädigen. Hier ist ein Datenrettungslabor die richtige Wahl.

"Degraded" bedeutet, dass eine Platte im Verbund ausgefallen ist, das Array bei RAID 1, 5 oder 6 aber weiterhin funktionsfähig ist, solange keine weitere Platte ausfällt. In diesem Zustand sollten möglichst schnell ein aktuelles Backup erstellt und die defekte Platte ersetzt werden, bevor ein Rebuild gestartet wird.

Ein Rebuild schreibt neue Paritätsdaten auf die verbliebenen Platten. Läuft dieser Vorgang bei einer bereits instabilen Hardware oder in falscher Reihenfolge der Platten ab, können vorhandene Restdaten überschrieben werden. Bei unklarer Fehlerursache oder mehreren betroffenen Platten sollte deshalb vor jedem Rebuild-Versuch ein Datenrettungslabor die Situation einschätzen.